50 Jahre Essen auf Rädern
Von Krefeldern für Krefelder

Initialzündung für Deutschland


Es gibt kaum noch Menschen, die sich unter "Essen auf Rädern" nichts vorstellen können. Als der Krefelder Verein für Haus- und Krankenpflege sein Betreuungsangebot um diesen Baustein erweitert hatte, schlüpfte er in die Rolle des Wegbereiters. In Berlin gab es zwar bereits einen Lieferservice per Fahrrad. Aber der Vorstoß, möglichst viele Bedürftige möglichst schnell – und deswegen auf vier Rädern – mit einem warmen Essen zu versorgen, war neu und fand schnell Nachahmer. Entwickelt hatte die Idee unsere Vorsitzenden Magdalene Schwietzke nach einem diesbezüglich inspirierenden England-Aufenthalt.

Heute sorgen elf Mitarbeiter dafür, dass unser "Essen auf Rädern" bei den Menschen Tag für Tag nicht nur warm, sondern eben auch pünktlich auf den Tisch kommt. Damit auch die Krefelder in diesen Genuss kommen, die wegen ihrer knappen Rente jeden Cent umdrehen müssen, bemüht sich der Verein schon immer intensiv um Spender. So können immerhin 20 Prozent der ausgelieferten Menüs preisreduziert oder im Rahmen von Patenschaften an Bedürftige verteilt werden.

 

Frisch, warm und auf weißem Porzellan

"Essen auf Rädern", das der Krefelder Verein den Menschen serviert, hat schon immer höchsten Ansprüchen genügen. Es ging nie darum, nur eine Mindestversorgung sicherzustellen. Das tägliche Ziel lautet: Ein Essen à la carte zu servieren. Das war 1961 so, als bei der Premiere nach einer Sternchensuppe Spaghetti mit Soße und anschließend eine Götterspeise auf den Tisch kamen, und das ist noch heute so, wenn der Verein Schweizer Sahnegeschnetzeltes auftischt.

Darum schmeckt es so gut:

Unsere Menüs werden täglich frisch zubereitet und erst auf dem Weg zum
  Empfänger in einem Heißluftherd zu Ende gegart.
Desserts und Getränke werden im Kühlschrank transportiert.
Unsere Menüs sind auch an Wochenenden und Feiertagen zuschlagsfrei.
Das Essen wird auf weißem Porzellan serviert, nicht etwa auf Plastik-
  oder gar in Aluminiumschalen.

 

CHRONIK

Mit Essen auf Rädern wurde eine neue Idee der flächendeckenden Verteilung von Essen in Krefeld initiiert. Zunächst erfolgte diese mit einem Auto und einer Fahrradstaffel.

08.02.1961   Gründung in Protokoll erwähnt.
01.07.1961 Geplanter Beginn aus technischen Gründen verschoben.
01.10.1961 Auslieferung an die ersten 48 Personen, gekocht im städtischen Krankenhaus.
03.10.1961 Ausführliche Berichterstattung in Rundfunk.
07.10.1961 Ausstrahlung des Filmberichts über „Essen auf Rädern“ vom Verein für Haus- und Krankenpflege in „Hier und Heute“ (WDR Fernsehen).
26.10.1961 Dem Verein wurden vom DPWV zum Ankauf eines Wagens DM 4.000,- zur Verfügung gestellt. Die Stadtverwaltung gab als Starthilfe DM 5.000,-.
16.02.1962 Kapazität soll auf 200 Essen vergrößert werden.
26.04.1962 Besuch einer Delegation karitativ interessierter Frauen bei den Krefelder Sozialeinrichtungen unter Leitung von Frau Gerstenmaier, der Frau des damaligen Bundestagspräsidenten. Frau Cattepoel berichtete ihnen über die Tätigkeit des Vereins und gab den Damen auch Gelegenheit sich an Ort und Stelle über die Aktion „Essen auf Rädern“ zu informieren.
16.11.1962 Großküche Frankenring vorgesehen
24.06.1963 Eröffnung der Großküche Frankenring – Kapazität von 175 Essen.
10.11.1963 Erstes Auto gespendet von der Bürgergesellschaft Mitte.
28.03.1968 250.000 Portionen verteilt.

 

"Essen auf Rädern" – eine Erfolgsgeschichte

Am 1. Oktober ist es soweit. Dann blicken die Krefelder auf 50 Jahre "Essen auf Rädern" zurück. Genau an diesem Datum lieferte der Krefelder Verein für Haus- und Krankenpflege 1961 die ersten 48 Mahlzeiten an alte Mitbürger aus, die sich in ihren eigenen vier Wänden aus eigener Kraft nicht mehr menschenwürdig versorgen konnten. Mittlerweile sind es rund 65.000 frisch zubereitete, vitamin- und nährstoffreiche Mahlzeiten, mit denen der gemeinnützige Verein all jenen Krefeldern hilft, die krankheits-, altersbedingt oder auch aus finanziellen Gründen Hilfe nötig haben.


"Die Nähe zum Menschen ist uns wichtig"

"Es ist nicht wichtig, dass wir in diesem Jahr ein Jubiläum feiern können. Wichtig ist, dass wir in unserer Stadt ein Projekt etabliert haben, mit dem wir einen unersetzlichen Beitrag für die Lebensqualität vieler Krefelder leisten. Dabei haben wir stets darauf geachtet, dass kein Mensch außen vor bleibt. Wer ein Essen benötigt, sich dieses aber nicht leisten kann, dem können wir dank unserer Spender trotzdem helfen.

Dass Krefelder Krefeldern helfen, ist seit jeher fester Bestandteil unserer Philosophie – alle, die daran teilhaben, sind als Solidargemeinschaft enger zusammengerückt. Zudem sorgen wir nicht nur für volle Mägen, sondern suchen die Nähe zum Menschen. Ein Essen mag einen einsamen, alten Menschen satt machen, aber zum Glücklichsein braucht es mehr. Darum sind unsere Mitarbeiter auf ihren Touren immer mit zwei offenen Ohren unterwegs, fungieren als Zuhörer und Trostspender. Wir beliefern keine Kunden, wir helfen Menschen."

Die wahre Erfolgsgeschichte, die sich hinter der von Magdalene Schwietzke, der ersten 1. Vorsitzenden des Vereins, aus England nach Deutschland importierten Idee verbirgt, lässt sich aber nicht an Zahlen ablesen. Nein, es sind die Schicksale der Menschen, die sich hinter diesen Zahlen verbergen. Über nunmehr fünf Jahrzehnte hat "Essen auf Rädern" unzähligen Krefeldern einen Heimaufenthalt erspart und sie in Würde in ihrer vertrauten Umgebung den Lebensabend genießen lassen.